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Financial Fairplay: Der Champions League Ausschluss von Manchester City


Nach langer Zeit möchten wir Euch mal wieder einen Text zum Thema ‚Fußball pur statt Eventkultur‘ liefern. Der letzte Text dies bezüglich liegt schon einige Zeit zurück, jedoch ist mit dem jüngst verkündeten Champions League-Ausschluss von Manchester City ein sehr angemessener Aufhänger gefunden worden, um die Thematik mal wieder aufzugreifen. In den Medienberichten war meistens nur von einem Ausschluss auf Grund von Verstößen gegen das Financial Fair Play zu lesen. Was genau das aber bedeutet und wie es City über Jahre hinweg gelang die UEFA an der Nase herumzuführen, möchten wir Euch in den folgenden Zeilen erläutern.

Angefangen hat die ganze Geschichte im Grunde schon im September 2008. Mansour bin Zayed Al Nahyan aus Abu Dhabi, seines Zeichens Scheich, Minister für Präsidentschaftsangelegenheiten der Vereinigten Arabischen Emirate und nicht zuletzt Mitglied der Herrscherfamilie Abu Dhabis, kaufte sich für 100 Millionen Pfund in den Verein Manchester City ein. Bis dato ein eher mittelmäßiger Verein aus Ostmanchester, stets im Schatten Manchester Uniteds und letztmalig 1968 an der Spitze der damaligen Football League First Division. Doch genau das wollte Mansour ändern und pumpte von Beginn an Unmengen an Geld in den Verein, stellte einen Transferrekord nach dem anderen auf und musste nicht lange auf den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung seitens der Konkurrenz warten. Doch woher kam das ganze Geld?
Wer sich ein wenig mit Manchester City beschäftigt, wird schnell bemerken, dass sich der milliardenschwere Ölstaat Abu Dhabi quer durch den ganzen Verein zieht. Die Citizens spielen beispielsweise im Etihad Stadion und tragen die Air Line aus Abu Dhabi (übrigens geführt von Mansours Halbbruder) auch auf der Brust des Trikots. Zudem gehören das Telekommunikationsunternehmen Etisalat, die Tourismusbehörde des Wüstenstaats, sowie die Abu-Dhabi-Investmentgesellschaft Aaber zu den Sponsoren des Clubs. Nach 3 Jahren und 8 Monaten kamen auf diese Weise sage und schreibe 1,1 Milliarden Pfund, bzw. 1,3 Milliarden Euro an Investment zusammen. Kein Wunder also, dass vor allem die kleinen Clubs auf der Insel stutzig wurden und den Vorwurf erhoben, dass hinter all den Pseudosponsorings aus dem Emirat weitere versteckte Fördergelder Mansours stecken.
Ein Beleg dafür sind interne Mails aus dem Jahr 2010, als der Sponsorenvertrag mit Aaber ausgehandelt wurde. Dieses Sponsoring umfasst offiziell nämlich 15 Millionen Pfund. Aus einem E-Mail-Verlauf geht jedoch hervor, dass Aaber lediglich 3 Millionen zur Verfügung stellt und die restlichen 12 Millionen „aus alternativen Quellen von Eurer Hoheit“ bereitgestellt werden. Bezüglich des Financial Fair Play ist in diesem Zusammenhang wichtig zu wissen, dass die von Scheich Mansour bereitgestellten finanziellen Mittel als Ausgaben zu bezeichnen sind. Wird das Geld aber offiziell von einem Sponsor, in diesem Fall Aaber, bereitgestellt, wird das Geld als Einnahme deklariert – ergo verpackt City sein Geld aus Abu Dhabi fälschlicher Weise als Einnahme, kann so deutlich mehr für Transfers ausgeben und führt das FFP konsequent ad absurdum.
Kritisch hinterfragt wurden die finanziellen Machenschaften im Osten Manchesters erstmals im Jahr 2013. Obwohl Trainer Roberto Mancini 2012 erstmals seit 44 Jahren City zum Meister der Premier League machte, wurde er im Jahr darauf entlassen. Mancini erfüllte nicht mehr die Anforderungen des Scheichs, sprich der erneute Gewinn der Meisterschaft, und musste daraufhin den Verein verlassen. Schließlich passte diese ‚Niederlage‘ nicht in das neue, vor Perfektion und Erfolg strotzende Hochglanzprodukt, Manchester City. Wer diesen Anforderungen nicht gerecht wird, muss weichen und für die nächste, teurere und damit erfolgversprechendere Personalie Platz machen. Doch genau diese Maschinerie fiel dem Club 2013 auf die Füße. In diesem Jahr sollten nämlich die Regeln des Financial Fair Play in Kraft treten, nach denen sich Vereine nicht überschulden sollen, also mehr Geld einnehmen, als sie ausgeben. Jedoch ergab sich durch die Entlassung Mancinis ein Defizit von 9,9 Millionen Pfund, wodurch die neuen Regeln des FFP nicht eingehalten würden. Die Lösung für das Problem: der Finanzchef auf der Insel klärt mit dem Scheich einfach ab, dass bestehende Verträge rückdatiert und obendrein höher dotiert werden. Und so kam es, dass Etihad 1,5 Millionen Pfund, Aaber 0,5 Millionen Pfund und die Tourismusbehörde ganze 5,5 Millionen Pfund mehr zahlte – wohlgemerkt für einen Zeitraum, der bereits in der Vergangenheit lag. So schnell sind Verträge manipuliert und damit die UEFA ausgetrickst.
Aber damit ist noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, denn der Club hat es nicht nur verstanden für das FFP seine Kosten zu senken, sondern daraus auch noch Kapital zu schlagen. Und jetzt wird es ein wenig kompliziert:
Um Kosten auszulagern gründete Man City Schwesterunternehmen, sodass z.B. Vermarktungsrechte der Spieler in ein externes Unternehmen verschoben wurden. Da normalerweise der Verein selbst für die Werberechte der Spieler zahlt, senkt er so die eigenen Kosten und macht durch den Rechteverkauf sogar 30 Millionen Gewinn. Die Firma Fordham, welche die Rechte erworben hat, ist über einige Ecken, wie z.B. die British Virgin Islands mit einem Trust der Familie Rowland verzweigt. Jene Familie gilt als Vertraute des Kronprinzen Abu Dhabis und ist dazu noch der Inhaber von Banken in Liechtenstein, den Bahamas und der Schweiz (allesamt Länder, die für ihr striktes Bankgeheimnis bzw. als Steuerparadies bekannt sind). Eine Holdingfirma des Scheichs überweist an die Rowlands, welche die Werberechte von dem Geld kaufen, wobei das Ganze von ManCity selbst koordiniert wird. Auf diese Weise bekommt der Club auf Knopfdruck Geld aus Abu Dhabi, nachdem dieses über Umwege einmal um die Welt reist.
Ihr blickt nicht mehr durch? Tja, die Finanzcontrolleure der UEFA taten es auch nicht. Um hinter solch verschachtelte Finanzkonstrukte zu kommen, bräuchte es schon Hausdurchsuchungen und Razzien, allerdings sind das Mittel, die der UEFA als Fußballverband nicht zur Verfügung stehen. Kein Wunder also, dass es erst durch die von Rui Pinto geleakten Mails, Chats und Dokumente gelang, diesen Machenschaften auf die Schliche zu kommen.
Zu guter Letzt möchten wir noch einen Sponsorenvertrag aufgreifen, nämlich den zwischen Manchester City und der Baufirma Arabtec. Jene Firma überweist jährlich 7 Millionen Pfund an City. Geld, für das Arabtec auch mal über Leichen geht, denn die Firma ist u.a. für den Bau der bekannten Wolkenkratzer in neureichen Wüstenstaaten und vor allem für die miserablen Bedingungen auf den Baustellen mitverantwortlich. Furchtbare hygienische Zustände, unpünktliche oder gar ausbleibende Bezahlung der um ihre Existenz kämpfenden Arbeiter, nicht eingehaltene Pausenzeiten und in Folge all dieser Missstände auch Tote auf den Baustellen der Arabtec gehören zur Tagesordnung. Dem Club scheint das alles egal zu sein, Hauptsache die Kohle stimmt und ist pünktlich auf dem Konto.
Und damit sind wir auch am Kern angekommen, weshalb Scheich Mansour in Manchester City investiert: es geht ums Image. Abu Dhabi ist ein Polizeistaat, in dem Gefangene gefoltert werden, auf Ehebruch die Todesstrafe steht und Menschenrechte nicht zu gelten scheinen. Alles Punkte, die schlecht fürs Image der Herrscherfamilie sind und sich schlecht verkaufen lassen. Die Lösung dieses Problems hat man in einem Investment in Manchester City ausgemacht. Der Wüstenstaat soll dadurch beworben werden und Beziehungen in den Westen aufgebaut, bzw. verbessert werden. Wer wäre dafür besser geeignet als Scheich Mansour, der Chef einer staatlichen Investmentfirma ist und darüber hinaus die internationale Strategie des Emirats steuert?
Entgegen der Behauptungen, dass all das nur ein Hobby und privates Vergnügen für seine Majestät sei, werden Sponsorenverträge aus Abu Dhabi nach Bedarf erhöht und rückdatiert, systematische Regelverstöße begangen und versteckte Zahlungen getätigt, nur um sich als Herrscherfamilie international auf dem Rücken des Fußballs zu profilieren. Scheich Mansour und Sponsoren aus Abu Dhabi pumpten über 2 Milliarden Pfund innerhalb von 10 Jahren in den Verein. Ein fairer sportlicher Wettkampf ist unter solchen Bedingungen blanker Hohn und reine Utopie. Darüber hinaus trägt der Verein maßgeblich dazu bei, dass Transfersummen ins Unermessliche steigen und gefühlt in jeder Transferperiode neue Schallmauern durchbrochen werden. Natürlich ist Man City nicht alleine für diese Entwicklung verantwortlich, jedoch ist mit der jüngst ausgesprochenen Strafe gegen den Verein endlich ein Anfang seitens der UEFA gemacht worden, diesem Irrsinn Herr zu werden. Man darf gespannt sein, wen es als nächstes trifft. Anlass genug bieten jedenfalls nicht wenige europäische Vereine…