Dieser Leitspruch war und ist seit der Weltmeisterschaft 2006 bei Spielen unseres FCK immer wieder am Spielfeldrand zu erkennen – doch warum eigentlich?

Am besten wir fangen mal ganz von vorne an…

Fussball pur statt EventkulturKaiserslautern – kurz nach dem Krieg. Inmitten von Häusertrümmern und zwischen unendlich vielen Schicksalen, gelingt es einer Mannschaft von Fußballern den Menschen eine Freude am Leben erneut zu vermitteln. Weitere Details wären überflüssig zu erläutern, die Walterelf ist weit über die Grenzen unseres Landes ein Begriff. Doch womit gelang es diesen jungen Männern, eine ganze Generation zu begeistern? Sie spielten Fußball, das war dann eigentlich schon alles.
Über mehrere Jahrzehnte hielt dieser Zauber an, in Kaiserslautern in einer fanatischen Art und Weise. Die kleine Stadt konnte aufgrund ihrer „Hölle“ Betzenberg immer wieder ihren Stand gegen die „Großen“ in Deutschland halten. Die Zuschauer waren Teil der Mannschaft, dieser 11 jungen Männer, die über Jahre hinweg einfach Fußball spielten.

Es kamen zwischenzeitlich die ersten Trikotsponsoren, die ersten Werbebanden, und es gelang nun den Spielern ihr fußballerisches Können in Bares zu verwandeln. Endlich, werden sich einige gedacht haben. Zudem spielten die Medien im Alltag eine immer größere Rolle, und nach einem guten Spiel seinen eigenen Namen im Radio oder im Fernsehen zu hören hatte natürlich was. Man spielte ja für SEINEN Verein, eine Ehre dafür noch gelobt zu werden!
Doch wenn man erst mal anfängt mit dem Geld verdienen, warum dann nicht noch mehr fordern? Und es gibt doch Vereine, die sich mehr leisten können als andere? Naja, dann wechselt man halt den Verein. Und kassiert bei einem größeren Verein mehr als bei dem kleineren, dieser ist daraufhin erfolgreicher, nimmt noch mehr Geld ein. Schließlich wird durch Fernsehübertragungen die Werbefläche an den Spielfeldern noch effektiver, und die eingekauften Spieler versprechen Erfolge. Im nächsten Schritt, werden wieder neue Spieler von diesem Geld gekauft, und jeder Pfennig (bzw. Cent) bedeutet einen weiteren Verkauf der Seele des Sports, den wir alle gern als „schönste Nebensache der Welt“ bezeichnen.


Willkommen im Teufelskreis

Es war in Deutschland plötzGegen Materialverbotelich nicht mehr die Zeit der jungen Männer die für ihren Verein spielen. Man kann keinen festen Zeitpunkt nennen, an dem dieser Schritt endgültig vollzogen wurde, es kam eher schleichend, aber fest steht: Heute stehen wir vor den Ergebnissen dieser Entwicklung, und ein Ende ist noch nicht in Sicht.
Auf einmal standen nur noch Stars auf dem Feld. Auf dem Feld, dass von Werbebanden, Werbeluftballons und Zuschauern auf Sponsorenplätzen umgeben war. Sponsoren stellten fest, dass man mit Vereinen die Erfolge erzielen Geld machen kann, und Vereine stellten das gleiche mit den Sponsoren fest. Perfekt! Man benennt einfach sein Stadion um, in eine XY-Arena, und schon rollt der Rubel.
Ein Ausverkauf auf höchstem Niveau. Vorher allerdings muss ich den Sport noch ein wenig gesellschaftsfähig machen – schließlich brauche ich eine möglichst große Zielgruppe in den Stadien, damit es für meine Finanziers auch genügend Aufmerksamkeit auf den diversen Werbetafeln gibt. Weg also mit diesem rüpelhaften Image des betrunkenen Fans, der nur dasteht und rumgrölt.


Der Fussball wird Event!

Events sind nämlich immer schön, um viele Menschen anzuziehen. Man geht hin, sieht die anderen, wird gesehen, und freut sich an der Musik, den Moderatoren um das Spiel herum und an den Firmen die die Zwischenstände präsentieren.
Das Feuer, das einmal die Mannschaft nach vorne trieb, erlischt – langsam und unauffällig.
Denn die neue, gelenkte, von Einspielern und Medien bestimmte Atmosphäre kommt nach und nach auf die Ränge und wird von vielen mitgetragen. Nicht selbst kreativ sein, sondern Vorgekautes nehmen wie es kommt – das ist der Trend in der heutigen Zeit.
Die Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land sorgte für grundlegende Veränderungen für die aktiven Fans in Deutschland. Dieses „Sommermärchen“ wurde wahr gemacht durch Restriktionen gegen den aktiven Teil der deutschen Fanszene, durch Eingriffe in Menschen- und Bürgerrechte, und im großen und ganzen durch von der FIFA festgelegte Sponsoren, die Dank der WM wohl Rekordgewinne in Teilbereichen aufweisen können.
Sicherlich ist eine Welle von Begeisterung durch unser Land geschwappt, doch zu welchem Preis? Und wäre es nicht noch fröhlicher gewesen, wenn die Fans, die schon seit Jahren in dFussball puren Stadien stehen die Spiele gesehen hätten, und nicht die wenigen (von Firmen) Auserwählten in VIP Logen?
Um es einmal direkt zu sagen – Wir sprechen uns gegen genau diese Art von Event aus. Es kann nicht sein, dass es weiter darum geht Spieltermine nach der günstigsten Zeit für Fernsehwerbung festzulegen. Anstoßzeiten müssten sich in erster Linie nach den Fans richten, die zu den Spielen IHRES Vereins fahren, und nicht nach den Leuten die von zu Hause aus ihre Fernbedienung nutzen und dafür erstklassige Unterhaltung aus 37 Kameraperspektiven erhalten!
Die Ereignisse rund um die WM 2006 veranlassten uns dazu, die Aktion „Fussball pur statt Eventkultur“ ins Leben zu rufen, um auf die besorgniserregenden Entwicklungen aufmerksam zu machen.
Heute, fast sieben Jahre später, ist der Leitspruch dieser Initiative passender und aktueller denn je! Das seit einigen Jahren katastrophale Bild aktiver Fans in den Medien, die Kriminalisierung und Pauschalisierung durch Politik und Verbände sowie das zuletzt verabschiedete „Sicherheitspapier“ der DFL brachten das Fass zum Überlaufen, sodass die aktive Fan- und Ultraszene zum bundesweiten Stimmungsboykott aufrief, welcher Presse, Medien und wohl auch Verantwortliche der Vereine und Verbände beeindruckte. Die Verabschiedung des DFL-Papiers konnte zwar nicht verhindert werden, dennoch wurde allen Beteiligten der enorme Einfluss der Fans auf den Fussball deutlich.


Gegen den modernen Fussball!

Wir sprechen uns gegen den aktuellen Trend, die aktuellen Zustände in Fußball-Deutschland aus – wir fordern Fußball Pur. Wir sind keine Träumer, aber wenn wir weiter zusehen wie unser Sport von allen Seiten ausgenutzt wird, als Werbeorgan oder als Trainingsgelände für Sicherheitskräfte aller Art, wird es nicht besser. Jeder kann mit Bandenwerbung leben, wenn für alle Vereine gleiche Gesetze gelten und es wieder Mannschaften gibt, in denen sich Spielerpersönlichkeiten bilden, die sich mit Verein und Fans identifizieren!
Denn auf den Rängen schlägt das Herz der Vereine, die Fankurven Deutschlands sind es, die diesen Sport schon immer zu etwas besonderem gemacht haben.