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Kategorie: Allgemein

Unser Fußball – basisnah, nachhaltig, zeitgemäß


Seit Jahren beobachten wir viele Entwicklungen des Profifußballs mit Sorge. Wiederkehrend wurde auf die Notwendigkeit von Veränderungen hingewiesen. Die Corona-Krise hat weitere Schwächen des kaputten Systems Profifußball offenbart. Nun haben auch DFL, DFB und einige Vereinsvertreter Reformen angekündigt. Punktuelle Reformen und die Bekämpfung einzelner Symptome können diesmal aber nicht die Lösung sein. Die Zeit ist gekommen, den Profifußball grundlegend zu verändern. Wir alle wollen einen neuen Fußball:

Unser Fußball – ein fairer Wettbewerb

Faire Rahmenbedingungen sind die Grundlage eines attraktiven Wettbewerbs. Die Schere zwischen großen und kleinen Vereinen geht allerdings immer weiter auseinander. Um den Wettbewerb wieder deutlich ausgeglichener zu gestalten, bedarf es grundlegender Änderungen – sowohl auf nationaler, als auch auf europäischer Ebene. Unser Fußball zeichnet sich durch eine gleichmäßigere Verteilung der TV-Gelder, die Einführung eines nationalen Financial Fairplays und die eindeutige Begrenzung von Investoreneinflüssen aus.

 

Unser Fußball – ein gesellschaftliches Vorbild

Mit seiner enormen Strahlkraft kommt dem Fußball eine große gesellschaftliche Verantwortung zu. Eine Verantwortung, der er leider allzu oft nicht gerecht geworden ist. Unser Fußball macht sich im Sport und in der Gesellschaft für Menschenrechte und Vielfalt stark. Er setzt sich konsequent gegen Diskriminierung ein und bekämpft Korruption ernsthaft. Als gesellschaftliches Vorbild handelt unser Fußball sozial nachhaltig und wird seiner ökologischen Verantwortung gerecht.

 

Unser Fußball – demokratisch & wirtschaftlich nachhaltig

Kurzfristiges Denken und schlechtes Wirtschaften müssen der Vergangenheit angehören. Mit eingetragenen Vereinen als Basis und demokratisch-transparenten Entscheidungsprozessen muss sich der Fußball zukunftsfähig aufstellen. In unserem Fußball gehören die Vereine Dank der 50+1-Regel ihren Mitgliedern. Ein auf langfristige Stabilität ausgelegtes Wirtschaften ist für diese Vereine in allen Ligen möglich. Wirtschaftlich nachhaltiges Handeln und die Bildung von Rücklagen sind fest in den Lizenzierungsverfahren verankert.

 

Unser Fußball – lebt durch seine Fans

Statt sich immer weiter von seiner Basis zu entfernen, müssen Fans als elementarer Bestandteil des Fußballs anerkannt werden. Als Publikumssport lebt er von einer vielfältigen Fankultur im Stadion. Unser Fußball fördert selbstorganisierte Fankultur und berücksichtigt Faninteressen durch verbindliche und kontinuierliche Beteiligungsprozesse. Er zeichnet sich unter anderem durch sozialverträgliche Ticketpreise, ein inklusives Stadion und fangerechte Anstoßzeiten aus.

Weitermachen wie vor der Krise darf keine Option sein. Wir wollen nicht zurück zu einem kaputten System. Wir fordern Vereine und Verbände auf, vor dem Beginn der kommenden Saison zu handeln. Dazu braucht es einen glaubhaften Grundsatzbeschluss sowie die Einleitung konkreter Reformen: Die Zukunft des Fußballs muss grundlegend neu gestaltet werden – basisnah, nachhaltig und zeitgemäß.

 

Nach dem Abschluss der Saison 2019/20 wird die Erklärung mit allen Unterzeichnenden an die Deutsche Fußball Liga und den Deutschen Fußball-Bund übergeben.

 

Hier gehts zur Initiative: https://www.unserfussball.jetzt/

In der Krise beweist sich der Charakter


Nein, der Fußball befindet sich in keiner Krise – lediglich das Geschäftsmodell derjenigen kommt ins Wanken, die sich daran eine goldene Nase verdienen. Und nicht erst jetzt, aber aktuell mit voller Wucht, bekommt der Profifußball den Spiegel vor die Nase gesetzt, mit welcher Missgunst ein großer Teil der Bevölkerung auf den Profifußball blickt. Wir nehmen wahr, dass sich das Produkt Fußball eine Parallelwelt erschaffen hat, welche viele Fußballfans mit ausufernden Transfer- und Gehaltssummen, einer unersättlich wirkenden Gier nach Profit, Korruption bei Verbänden sowie dubiosen und intransparenten Beraterstrukturen (2017/18 ca. 200 Mio. €) in Verbindung setzen.

Wiederaufnahme des Spielbetriebs

Wir mögen aktuell nicht beurteilen und abschätzen können, wann ein vertretbarer Zeitpunkt gewesen wäre, den Ball wieder rollen zu lassen. Wir bewerten jedoch das Verhalten der Vertreter des Profifußballs als anstands- und respektlos, sich in der aktuellen Krisensituation derart aggressiv in den Vordergrund zu drängen. Der Gedanke, dass sich mit genügend Geld und ausreichender Lobbyarbeit Sonderwege bestreiten lassen, lässt sich leider nicht von der Hand weisen. Ein Vorpreschen bei der Inanspruchnahme routinemäßiger Screenings erachten wir als anmaßend, würden uns doch dutzende andere Institutionen einfallen, bei denen verdachtsunabhängige Testungen mehr Sinn ergeben würden. Übel stößt hierbei nicht die generelle Inanspruchnahme von Testkapazitäten auf, sondern weil sich der Profifußball eine soziale Relevanz anmaßt und eine Sonderbehandlung bewirkt, die in keinem Verhältnis zur aktuellen gesellschaftlichen Rangordnung steht.

Wir hätten vielmehr eine Vorgehensweise erwartet, welche der sozialen Verantwortung und der Vorbildfunktion des Fußballs gerecht wird.

Veränderungen

„Es steht außer Frage, dass künftig Nachhaltigkeit, Stabilität und Bodenständigkeit zu den entscheidenden Werten gehören müssen“. Zwar zeugt die von der DFL getätigte Aussage durchaus von Selbstkritik, zeigt jedoch gleichzeitig auch, nach welchem Maßstab bisher Entscheidungen getroffen wurden und in welchem Ausmaß man von wirtschaftlichen Interessen getrieben wurde.

Es ist jetzt, und nicht erst nach überstandener Krise, an der Zeit, über konkrete Veränderungen im Profifußball zu debattieren und Entscheidungen zu treffen:

1. Wettbewerbsfördernde, ligaübergreifende Verteilung der Fernsehgelder

Der aktuelle Verteilungsschlüssel sorgt dafür, dass die Schere zwischen finanziell starken und schwachen Vereinen immer weiter auseinandergeht. Eine gerechtere Verteilung fördert den sportlichen Wettbewerb und steigert die Attraktivität der Ligen.

2. Rücklagen

Es muss festgelegt werden, dass die Clubs Rücklagen bilden, um zumindest kurzfristige Krisen jeder Art überstehen zu können, ohne direkt vor der Insolvenz zu stehen. Hierbei muss vor allem Rücksicht auf die e.V.-Strukturen genommen und dafür adäquate Lösungen gefunden werden, ohne diese – ebenso wie 50+1, in Frage zu stellen. Schließlich ist der Verkauf von Substanz zur Rettung der Liquidität genau die Denkweise, die zur jetzigen Krise geführt hat. Daher ist der Umstand, dass die 50+1 Regel zum Teil in Frage gestellt wird, aus unserer Sicht vollkommen unverständlich.

3. Gehalts- und Transferobergrenzen

Spielern und Funktionären seien weiterhin wirtschaftliche Privilegien vergönnt. Analog zu Transfersummen sollten jedoch auch diese gedeckelt werden, um aktuelle Auswüchse zu stoppen und dem irrationalen und unverhältnismäßigen Wettbieten entgegenzuwirken.

4. Einfluss durch Berater beschränken

Rund um die Spieler hat sich ein Netzwerk an Profiteuren gebildet, welches für den Sport in keiner Weise produktiv ist. Dieses muss aufgedeckt, reglementiert und eingeschränkt werden.

Wenn man sich auf der Mitgliederversammlung des eigenen Vereins erklären lässt, wie gering der Bruchteil der teils horrenden Ablösesummen ist, der dem eigenen Verein tatsächlich zu Gute kommt, wird schnell sichtbar, dass an diesem System des modernen Menschenhandels einiges nicht stimmen kann.

Zu hoch sind die Beträge, die bei den Transfererlösen bei den Spielerberatern hängen bleiben, deren Handeln im Interesse ihrer Schützlinge oft durchaus angezweifelt werden darf. Hier ist leider zu vermuten, dass oft der Blick auf den eigenen Gewinn, das „Kasse machen“, im Vordergrund steht und Spieler die Clubs öfter wechseln, als das ihrer eigenen sportlichen Entwicklung zuträglich wäre.

Richtig problematisch wird es dann, wenn sich unter den großen Beratungsbüros kartellartige Strukturen bilden, die mit Absprachen unter der Hand die Transferzahlungen in die Höhe treiben. Der freie Markt aus Angebot und Nachfrage ist dann nachhaltig gestört und es entsteht eine Preisspirale, an der der Profifußball kein Interesse haben kann.

Ebenso muss den verschiedenen Investmentfirmen, welche sich an den Rechten der Spielertransfers beteiligen, ein Riegel vorgeschoben werden. Es darf nicht sein, dass sich Privatpersonen unter dem Deckmantel dieser Firmen die eigenen Taschen füllen und die Verbände die Augen verschließen!

Natürlich ist es in Ordnung und Teil des Wettbewerbes Fußball, wenn gute Spieler gute Gehälter erzielen und entsprechende Transfersummen kosten. Spieler sind (leider) auch eine Handelsware. Die Abartigkeiten, die hier aber in den letzten Jahren gewachsen sind, sind nicht Ausdruck eines gesunden Wettbewerbs.

5. Kader begrenzen

Durch aufgeblähte Spielerkader lagern die Vereine „Kapital“ auf Ihren Auswechselbänken. Manch ein Verein verpflichtet Spieler nur, damit diese nicht für die Konkurrenz auflaufen können und lässt sie dann auf der Bank oder Tribüne versauern. Vereine, die es sich leisten können, blähen ihre Kader künstlich auf. Dem Motto folgend „was ich habe hat schon mal kein anderer“. Das ist natürlich eine Strategie, gegen die Konkurrenten zu arbeiten. Ob sie sportlich ist, steht auf einem anderen Blatt.

Eine Begrenzung der Anzahl an Spielerleihen ist bereits geplant. Dies gilt es, auf die Reduzierung der Profikader auszuweiten Ein beliebiges Aufstocken mit Nachwuchskräften sollte dennoch jederzeit möglich sein, denn würde es rein um die Absicherung gegen Ausfälle gehen, spricht absolut nichts dagegen, Nachwuchsspieler aus den eigenen Reihen hochzuziehen. In diesem Fall zeugt ein großer Kader mit eigenen jungen Spielern von einer nachhaltigen und guten Nachwuchsarbeit. Dies gilt es in Zukunft vermehrt zu fördern.

Ein „Zusammenkauf“ von Profispielern „auf Halde“ ist grundsätzlich abzulehnen. Das wird nicht zuletzt den Spielern nicht gerecht, deren Entwicklung dadurch nachhaltig gestört wird.

Wir werden genauestens verfolgen, ob auf die eigenen Worte der Verbandsvertreter und von Funktionären, den Fußball ändern zu wollen, auch Taten folgen. Schluss mit Ausreden und Heraufbeschwören von Unmachbarkeitsszenarien. Wir erwarten eine lösungs- und keine problemorientierte Herangehensweise mit transparenten Arbeitsschritten.

Fanszenen Deutschlands im Mai 2020

Quarantäne für den Fußball – Geisterspiele sind keine Lösung!


Die Frage, wann und in welcher Form wieder Profifußball gespielt werden darf, wurde in den vergangenen Tagen und Wochen viel diskutiert. In der nach wie vor teils unübersichtlichen gesellschaftlichen Situation wurden von verschiedenen Akteuren eine Vielzahl ethischer, epidemiologischer und anderer Argumente ins Feld geführt. Im Folgenden möchten wir uns, als bundesweiter Zusammenschluss der Fanszenen und mit Blick auf die DFL-Vollversammlung, zu dem Thema äußern:

Die Wiederaufnahme des Fußballs, auch in Form von Geisterspielen, ist in der aktuellen Situation nicht vertretbar – schon gar nicht unter dem Deckmantel der gesellschaftlichen Verantwortung. Eine baldige Fortsetzung der Saison wäre blanker Hohn gegenüber dem Rest der Gesellschaft und insbesondere all denjenigen, die sich in der Corona-Krise wirklich gesellschaftsdienlich engagieren. Der Profifußball ist längst krank genug und gehört weiterhin in Quarantäne.

Wir vertreten die klare Position, dass es keine Lex Bundesliga geben darf. Fußball hat in Deutschland eine herausgehobene Bedeutung, systemrelevant ist er jedoch ganz sicher nicht. Beschränkungen, die für vergleichbare Bereiche der Sport- und Unterhaltungsindustrie gelten, müssen auch im Fußball Anwendung finden. In einer Zeit, in der wir alle sehr massive Einschränkungen unserer Grundrechte im Sinne des Gemeinwohls hinnehmen, ist an einen Spielbetrieb der Bundesligen nicht zu denken. Wenn seit Wochen über einen Mangel an Kapazitäten bei CoVid-19-Tests berichtet wird, ist die Idee, Fußballspieler in einer extrem hohen Taktung auf das Virus zu untersuchen, schlicht absurd. Ganz zu schweigen von der Praxis eines Fußballspiels mit Zweikämpfen, eines normalen Trainingsbetriebes in Zeiten von Versammlungsverboten und eines gemeinsamen Verfolgens potenzieller Geisterspiele durch Fans.

Die Rede von gesellschaftlicher Verantwortung und Pläne für exklusive Testkontingente (über 20.000 Stück) für den Profifußball passen nicht zusammen. Wir verstehen, dass Vereinsfunktionäre durchaus rechtliche Verpflichtungen haben, im Sinne des finanziellen Wohls ihres Vereins zu handeln. In einer Situation jedoch, in der die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft vor enormen Herausforderungen stehen, ist es für uns nicht nachvollziehbar, dass offenbar sämtliche Bedenken hintenangestellt werden, wenn es darum geht, den Spielbetrieb möglichst lange aufrechtzuerhalten, bzw. erneut zu starten.

Ganz offensichtlich hat der Profifußball viel tieferliegende Probleme. Ein System, in das in den letzten Jahren Geldsummen jenseits der Vorstellungskraft vieler Menschen geflossen sind, steht innerhalb eines Monats vor dem Kollaps. Der Erhalt der Strukturen ist vollkommen vom Fluss der Fernsehgelder abhängig, die Vereine existieren nur noch in totaler Abhängigkeit von den Rechteinhabern.

Die Frage, weshalb es trotz aller Millionen keinerlei Nachhaltigkeit im Profifußball zu geben scheint, wie die Strukturen und Vereine in Zukunft robuster und krisensicherer gemacht werden können, wurde zumindest öffentlich noch von keinem Funktionär gestellt. Das einzig kommunizierte Ziel ist ein möglichst schnelles ,,Weiter so!‘‘, das jedoch lediglich einer überschaubaren Zahl an Beteiligten weiterhin überragende Einkünfte garantiert. Das Gerede von zigtausenden Jobs halten wir schlicht in den meisten Fällen für einen Vorwand, weiterhin exorbitante Millioneneinkünfte für wenige extreme Profiteure zu sichern. Dies zeigt sich auch in der absoluten Untätigkeit des DFB, im Hinblick auf den Fußball unterhalb der 2. Bundesliga. Dass Geisterspiele hier viel stärkere Folgen hätten, als in den Ligen der DFL, wird ausgeblendet. Hauptsache das „Premiumprodukt“ kann weiterexistieren. Hier wird der DFB seiner Rolle nicht nur nicht gerecht, er zeigt auch wiederholt, wessen Interessen er vertritt.

Seit Jahren fordern Fans Reformen für eine gerechtere Verteilung der TV-Einnahmen und kritisieren die mangelnde Solidarität zwischen großen und kleinen Vereinen. Wir weisen auf Finanzexzesse, mangelnde Rücklagenbildung und die teils erpresserische Rolle von Spielerberatern hin. Die Gefahr der Abhängigkeit von einzelnen großen Geldgebern haben wir anhand von Beispielen wie 1860 München, Carl Zeiss Jena und anderen immer wieder aufgezeigt.

Spätestens jetzt ist es aller höchste Zeit, dass sich Fußballfunktionäre ernsthaft mit diesen Punkten auseinandersetzen. Die jetzige Herausforderung ist auch eine Chance: Die Verbände sollten diese Krise als solche begreifen und die Strukturen des modernen Fußballs grundlegend verändern. Es ist höchste Zeit!

In diesem Zusammenhang fordern wir:

  • Der aktuelle Plan der DFL, den Spielbetrieb im Mai in Form von Geisterspielen wieder aufzunehmen, darf nicht umgesetzt werden. Wir maßen uns nicht an, zu entscheiden, ab wann der Ball wieder rollen darf. In einer Situation, in der sich der Fußball auf diese Weise so dermaßen vom Rest der Gesellschaft entkoppeln würde, darf es jedoch nicht passieren.
  • Eine sachliche Auseinandersetzung mit der aktuellen Lage muss forciert und eine Abkehr vom blinden Retten der TV-Gelder vollzogen werden. Auch ein möglicher Abbruch der Saison darf kein Tabu sein, wenn die gesellschaftlichen Umstände es nicht anders zulassen. In diesem Fall sollten nicht nur Horrorszenarien in Form von drohenden Insolvenzen skizziert werden, sondern Lösungsmöglichkeiten in Form von Förderdarlehen, erweiterten Insolvenzfristen und anderen Kriseninstrumenten, denen sich auch die restliche Wirtschaft stellt, diskutiert werden.
  • Eine kommende Lösung muss maximal solidarisch sein. Es darf unter den Vereinen keine Krisengewinner – und verlierer geben. Die Schere zwischen ,,groß‘‘ und ,,klein‘‘ darf nicht noch weiter auseinandergehen. Ausdrücklich schließen wir damit auch die Vereine der dritten Liga und der Regionalligen mit ein, für die Geisterspiele ohnehin keine Option sind.
  • Die Diskussion über grundlegende Reformen, um den Profifußball nachhaltiger und wirtschaftlich krisensicherer zu gestalten, muss jetzt beginnen. Sie darf nicht nur von Fans und Journalisten geführt werden, sondern ist die zentrale Aufgabe der Verantwortlichen der Clubs und Verbände. Strukturen und Vereine müssen auf einen finanziell und ideell sicheren Boden zurückgeholt werden. Dabei muss die 50+1-Regel weiterhin unberührt bleiben.

Die Phase einer von der restlichen Gesellschaft komplett entkoppelten Fußballwelt muss ein Ende haben!

Fanszenen Deutschlands im April 2020

Financial Fairplay: Der Champions League Ausschluss von Manchester City


Nach langer Zeit möchten wir Euch mal wieder einen Text zum Thema ‚Fußball pur statt Eventkultur‘ liefern. Der letzte Text dies bezüglich liegt schon einige Zeit zurück, jedoch ist mit dem jüngst verkündeten Champions League-Ausschluss von Manchester City ein sehr angemessener Aufhänger gefunden worden, um die Thematik mal wieder aufzugreifen. In den Medienberichten war meistens nur von einem Ausschluss auf Grund von Verstößen gegen das Financial Fair Play zu lesen. Was genau das aber bedeutet und wie es City über Jahre hinweg gelang die UEFA an der Nase herumzuführen, möchten wir Euch in den folgenden Zeilen erläutern.

Angefangen hat die ganze Geschichte im Grunde schon im September 2008. Mansour bin Zayed Al Nahyan aus Abu Dhabi, seines Zeichens Scheich, Minister für Präsidentschaftsangelegenheiten der Vereinigten Arabischen Emirate und nicht zuletzt Mitglied der Herrscherfamilie Abu Dhabis, kaufte sich für 100 Millionen Pfund in den Verein Manchester City ein. Bis dato ein eher mittelmäßiger Verein aus Ostmanchester, stets im Schatten Manchester Uniteds und letztmalig 1968 an der Spitze der damaligen Football League First Division. Doch genau das wollte Mansour ändern und pumpte von Beginn an Unmengen an Geld in den Verein, stellte einen Transferrekord nach dem anderen auf und musste nicht lange auf den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung seitens der Konkurrenz warten. Doch woher kam das ganze Geld?
Wer sich ein wenig mit Manchester City beschäftigt, wird schnell bemerken, dass sich der milliardenschwere Ölstaat Abu Dhabi quer durch den ganzen Verein zieht. Die Citizens spielen beispielsweise im Etihad Stadion und tragen die Air Line aus Abu Dhabi (übrigens geführt von Mansours Halbbruder) auch auf der Brust des Trikots. Zudem gehören das Telekommunikationsunternehmen Etisalat, die Tourismusbehörde des Wüstenstaats, sowie die Abu-Dhabi-Investmentgesellschaft Aaber zu den Sponsoren des Clubs. Nach 3 Jahren und 8 Monaten kamen auf diese Weise sage und schreibe 1,1 Milliarden Pfund, bzw. 1,3 Milliarden Euro an Investment zusammen. Kein Wunder also, dass vor allem die kleinen Clubs auf der Insel stutzig wurden und den Vorwurf erhoben, dass hinter all den Pseudosponsorings aus dem Emirat weitere versteckte Fördergelder Mansours stecken.
Ein Beleg dafür sind interne Mails aus dem Jahr 2010, als der Sponsorenvertrag mit Aaber ausgehandelt wurde. Dieses Sponsoring umfasst offiziell nämlich 15 Millionen Pfund. Aus einem E-Mail-Verlauf geht jedoch hervor, dass Aaber lediglich 3 Millionen zur Verfügung stellt und die restlichen 12 Millionen „aus alternativen Quellen von Eurer Hoheit“ bereitgestellt werden. Bezüglich des Financial Fair Play ist in diesem Zusammenhang wichtig zu wissen, dass die von Scheich Mansour bereitgestellten finanziellen Mittel als Ausgaben zu bezeichnen sind. Wird das Geld aber offiziell von einem Sponsor, in diesem Fall Aaber, bereitgestellt, wird das Geld als Einnahme deklariert – ergo verpackt City sein Geld aus Abu Dhabi fälschlicher Weise als Einnahme, kann so deutlich mehr für Transfers ausgeben und führt das FFP konsequent ad absurdum.
Kritisch hinterfragt wurden die finanziellen Machenschaften im Osten Manchesters erstmals im Jahr 2013. Obwohl Trainer Roberto Mancini 2012 erstmals seit 44 Jahren City zum Meister der Premier League machte, wurde er im Jahr darauf entlassen. Mancini erfüllte nicht mehr die Anforderungen des Scheichs, sprich der erneute Gewinn der Meisterschaft, und musste daraufhin den Verein verlassen. Schließlich passte diese ‚Niederlage‘ nicht in das neue, vor Perfektion und Erfolg strotzende Hochglanzprodukt, Manchester City. Wer diesen Anforderungen nicht gerecht wird, muss weichen und für die nächste, teurere und damit erfolgversprechendere Personalie Platz machen. Doch genau diese Maschinerie fiel dem Club 2013 auf die Füße. In diesem Jahr sollten nämlich die Regeln des Financial Fair Play in Kraft treten, nach denen sich Vereine nicht überschulden sollen, also mehr Geld einnehmen, als sie ausgeben. Jedoch ergab sich durch die Entlassung Mancinis ein Defizit von 9,9 Millionen Pfund, wodurch die neuen Regeln des FFP nicht eingehalten würden. Die Lösung für das Problem: der Finanzchef auf der Insel klärt mit dem Scheich einfach ab, dass bestehende Verträge rückdatiert und obendrein höher dotiert werden. Und so kam es, dass Etihad 1,5 Millionen Pfund, Aaber 0,5 Millionen Pfund und die Tourismusbehörde ganze 5,5 Millionen Pfund mehr zahlte – wohlgemerkt für einen Zeitraum, der bereits in der Vergangenheit lag. So schnell sind Verträge manipuliert und damit die UEFA ausgetrickst.
Aber damit ist noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, denn der Club hat es nicht nur verstanden für das FFP seine Kosten zu senken, sondern daraus auch noch Kapital zu schlagen. Und jetzt wird es ein wenig kompliziert:
Um Kosten auszulagern gründete Man City Schwesterunternehmen, sodass z.B. Vermarktungsrechte der Spieler in ein externes Unternehmen verschoben wurden. Da normalerweise der Verein selbst für die Werberechte der Spieler zahlt, senkt er so die eigenen Kosten und macht durch den Rechteverkauf sogar 30 Millionen Gewinn. Die Firma Fordham, welche die Rechte erworben hat, ist über einige Ecken, wie z.B. die British Virgin Islands mit einem Trust der Familie Rowland verzweigt. Jene Familie gilt als Vertraute des Kronprinzen Abu Dhabis und ist dazu noch der Inhaber von Banken in Liechtenstein, den Bahamas und der Schweiz (allesamt Länder, die für ihr striktes Bankgeheimnis bzw. als Steuerparadies bekannt sind). Eine Holdingfirma des Scheichs überweist an die Rowlands, welche die Werberechte von dem Geld kaufen, wobei das Ganze von ManCity selbst koordiniert wird. Auf diese Weise bekommt der Club auf Knopfdruck Geld aus Abu Dhabi, nachdem dieses über Umwege einmal um die Welt reist.
Ihr blickt nicht mehr durch? Tja, die Finanzcontrolleure der UEFA taten es auch nicht. Um hinter solch verschachtelte Finanzkonstrukte zu kommen, bräuchte es schon Hausdurchsuchungen und Razzien, allerdings sind das Mittel, die der UEFA als Fußballverband nicht zur Verfügung stehen. Kein Wunder also, dass es erst durch die von Rui Pinto geleakten Mails, Chats und Dokumente gelang, diesen Machenschaften auf die Schliche zu kommen.
Zu guter Letzt möchten wir noch einen Sponsorenvertrag aufgreifen, nämlich den zwischen Manchester City und der Baufirma Arabtec. Jene Firma überweist jährlich 7 Millionen Pfund an City. Geld, für das Arabtec auch mal über Leichen geht, denn die Firma ist u.a. für den Bau der bekannten Wolkenkratzer in neureichen Wüstenstaaten und vor allem für die miserablen Bedingungen auf den Baustellen mitverantwortlich. Furchtbare hygienische Zustände, unpünktliche oder gar ausbleibende Bezahlung der um ihre Existenz kämpfenden Arbeiter, nicht eingehaltene Pausenzeiten und in Folge all dieser Missstände auch Tote auf den Baustellen der Arabtec gehören zur Tagesordnung. Dem Club scheint das alles egal zu sein, Hauptsache die Kohle stimmt und ist pünktlich auf dem Konto.
Und damit sind wir auch am Kern angekommen, weshalb Scheich Mansour in Manchester City investiert: es geht ums Image. Abu Dhabi ist ein Polizeistaat, in dem Gefangene gefoltert werden, auf Ehebruch die Todesstrafe steht und Menschenrechte nicht zu gelten scheinen. Alles Punkte, die schlecht fürs Image der Herrscherfamilie sind und sich schlecht verkaufen lassen. Die Lösung dieses Problems hat man in einem Investment in Manchester City ausgemacht. Der Wüstenstaat soll dadurch beworben werden und Beziehungen in den Westen aufgebaut, bzw. verbessert werden. Wer wäre dafür besser geeignet als Scheich Mansour, der Chef einer staatlichen Investmentfirma ist und darüber hinaus die internationale Strategie des Emirats steuert?
Entgegen der Behauptungen, dass all das nur ein Hobby und privates Vergnügen für seine Majestät sei, werden Sponsorenverträge aus Abu Dhabi nach Bedarf erhöht und rückdatiert, systematische Regelverstöße begangen und versteckte Zahlungen getätigt, nur um sich als Herrscherfamilie international auf dem Rücken des Fußballs zu profilieren. Scheich Mansour und Sponsoren aus Abu Dhabi pumpten über 2 Milliarden Pfund innerhalb von 10 Jahren in den Verein. Ein fairer sportlicher Wettkampf ist unter solchen Bedingungen blanker Hohn und reine Utopie. Darüber hinaus trägt der Verein maßgeblich dazu bei, dass Transfersummen ins Unermessliche steigen und gefühlt in jeder Transferperiode neue Schallmauern durchbrochen werden. Natürlich ist Man City nicht alleine für diese Entwicklung verantwortlich, jedoch ist mit der jüngst ausgesprochenen Strafe gegen den Verein endlich ein Anfang seitens der UEFA gemacht worden, diesem Irrsinn Herr zu werden. Man darf gespannt sein, wen es als nächstes trifft. Anlass genug bieten jedenfalls nicht wenige europäische Vereine…