Pfalz Inferno Ultras Kaiserslautern

Quarantäne für den Fußball – Geisterspiele sind keine Lösung!


Die Frage, wann und in welcher Form wieder Profifußball gespielt werden darf, wurde in den vergangenen Tagen und Wochen viel diskutiert. In der nach wie vor teils unübersichtlichen gesellschaftlichen Situation wurden von verschiedenen Akteuren eine Vielzahl ethischer, epidemiologischer und anderer Argumente ins Feld geführt. Im Folgenden möchten wir uns, als bundesweiter Zusammenschluss der Fanszenen und mit Blick auf die DFL-Vollversammlung, zu dem Thema äußern:

Die Wiederaufnahme des Fußballs, auch in Form von Geisterspielen, ist in der aktuellen Situation nicht vertretbar – schon gar nicht unter dem Deckmantel der gesellschaftlichen Verantwortung. Eine baldige Fortsetzung der Saison wäre blanker Hohn gegenüber dem Rest der Gesellschaft und insbesondere all denjenigen, die sich in der Corona-Krise wirklich gesellschaftsdienlich engagieren. Der Profifußball ist längst krank genug und gehört weiterhin in Quarantäne.

Wir vertreten die klare Position, dass es keine Lex Bundesliga geben darf. Fußball hat in Deutschland eine herausgehobene Bedeutung, systemrelevant ist er jedoch ganz sicher nicht. Beschränkungen, die für vergleichbare Bereiche der Sport- und Unterhaltungsindustrie gelten, müssen auch im Fußball Anwendung finden. In einer Zeit, in der wir alle sehr massive Einschränkungen unserer Grundrechte im Sinne des Gemeinwohls hinnehmen, ist an einen Spielbetrieb der Bundesligen nicht zu denken. Wenn seit Wochen über einen Mangel an Kapazitäten bei CoVid-19-Tests berichtet wird, ist die Idee, Fußballspieler in einer extrem hohen Taktung auf das Virus zu untersuchen, schlicht absurd. Ganz zu schweigen von der Praxis eines Fußballspiels mit Zweikämpfen, eines normalen Trainingsbetriebes in Zeiten von Versammlungsverboten und eines gemeinsamen Verfolgens potenzieller Geisterspiele durch Fans.

Die Rede von gesellschaftlicher Verantwortung und Pläne für exklusive Testkontingente (über 20.000 Stück) für den Profifußball passen nicht zusammen. Wir verstehen, dass Vereinsfunktionäre durchaus rechtliche Verpflichtungen haben, im Sinne des finanziellen Wohls ihres Vereins zu handeln. In einer Situation jedoch, in der die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft vor enormen Herausforderungen stehen, ist es für uns nicht nachvollziehbar, dass offenbar sämtliche Bedenken hintenangestellt werden, wenn es darum geht, den Spielbetrieb möglichst lange aufrechtzuerhalten, bzw. erneut zu starten.

Ganz offensichtlich hat der Profifußball viel tieferliegende Probleme. Ein System, in das in den letzten Jahren Geldsummen jenseits der Vorstellungskraft vieler Menschen geflossen sind, steht innerhalb eines Monats vor dem Kollaps. Der Erhalt der Strukturen ist vollkommen vom Fluss der Fernsehgelder abhängig, die Vereine existieren nur noch in totaler Abhängigkeit von den Rechteinhabern.

Die Frage, weshalb es trotz aller Millionen keinerlei Nachhaltigkeit im Profifußball zu geben scheint, wie die Strukturen und Vereine in Zukunft robuster und krisensicherer gemacht werden können, wurde zumindest öffentlich noch von keinem Funktionär gestellt. Das einzig kommunizierte Ziel ist ein möglichst schnelles ,,Weiter so!‘‘, das jedoch lediglich einer überschaubaren Zahl an Beteiligten weiterhin überragende Einkünfte garantiert. Das Gerede von zigtausenden Jobs halten wir schlicht in den meisten Fällen für einen Vorwand, weiterhin exorbitante Millioneneinkünfte für wenige extreme Profiteure zu sichern. Dies zeigt sich auch in der absoluten Untätigkeit des DFB, im Hinblick auf den Fußball unterhalb der 2. Bundesliga. Dass Geisterspiele hier viel stärkere Folgen hätten, als in den Ligen der DFL, wird ausgeblendet. Hauptsache das „Premiumprodukt“ kann weiterexistieren. Hier wird der DFB seiner Rolle nicht nur nicht gerecht, er zeigt auch wiederholt, wessen Interessen er vertritt.

Seit Jahren fordern Fans Reformen für eine gerechtere Verteilung der TV-Einnahmen und kritisieren die mangelnde Solidarität zwischen großen und kleinen Vereinen. Wir weisen auf Finanzexzesse, mangelnde Rücklagenbildung und die teils erpresserische Rolle von Spielerberatern hin. Die Gefahr der Abhängigkeit von einzelnen großen Geldgebern haben wir anhand von Beispielen wie 1860 München, Carl Zeiss Jena und anderen immer wieder aufgezeigt.

Spätestens jetzt ist es aller höchste Zeit, dass sich Fußballfunktionäre ernsthaft mit diesen Punkten auseinandersetzen. Die jetzige Herausforderung ist auch eine Chance: Die Verbände sollten diese Krise als solche begreifen und die Strukturen des modernen Fußballs grundlegend verändern. Es ist höchste Zeit!

In diesem Zusammenhang fordern wir:

  • Der aktuelle Plan der DFL, den Spielbetrieb im Mai in Form von Geisterspielen wieder aufzunehmen, darf nicht umgesetzt werden. Wir maßen uns nicht an, zu entscheiden, ab wann der Ball wieder rollen darf. In einer Situation, in der sich der Fußball auf diese Weise so dermaßen vom Rest der Gesellschaft entkoppeln würde, darf es jedoch nicht passieren.
  • Eine sachliche Auseinandersetzung mit der aktuellen Lage muss forciert und eine Abkehr vom blinden Retten der TV-Gelder vollzogen werden. Auch ein möglicher Abbruch der Saison darf kein Tabu sein, wenn die gesellschaftlichen Umstände es nicht anders zulassen. In diesem Fall sollten nicht nur Horrorszenarien in Form von drohenden Insolvenzen skizziert werden, sondern Lösungsmöglichkeiten in Form von Förderdarlehen, erweiterten Insolvenzfristen und anderen Kriseninstrumenten, denen sich auch die restliche Wirtschaft stellt, diskutiert werden.
  • Eine kommende Lösung muss maximal solidarisch sein. Es darf unter den Vereinen keine Krisengewinner – und verlierer geben. Die Schere zwischen ,,groß‘‘ und ,,klein‘‘ darf nicht noch weiter auseinandergehen. Ausdrücklich schließen wir damit auch die Vereine der dritten Liga und der Regionalligen mit ein, für die Geisterspiele ohnehin keine Option sind.
  • Die Diskussion über grundlegende Reformen, um den Profifußball nachhaltiger und wirtschaftlich krisensicherer zu gestalten, muss jetzt beginnen. Sie darf nicht nur von Fans und Journalisten geführt werden, sondern ist die zentrale Aufgabe der Verantwortlichen der Clubs und Verbände. Strukturen und Vereine müssen auf einen finanziell und ideell sicheren Boden zurückgeholt werden. Dabei muss die 50+1-Regel weiterhin unberührt bleiben.

Die Phase einer von der restlichen Gesellschaft komplett entkoppelten Fußballwelt muss ein Ende haben!

Fanszenen Deutschlands im April 2020

Financial Fairplay: Der Champions League Ausschluss von Manchester City


Nach langer Zeit möchten wir Euch mal wieder einen Text zum Thema ‚Fußball pur statt Eventkultur‘ liefern. Der letzte Text dies bezüglich liegt schon einige Zeit zurück, jedoch ist mit dem jüngst verkündeten Champions League-Ausschluss von Manchester City ein sehr angemessener Aufhänger gefunden worden, um die Thematik mal wieder aufzugreifen. In den Medienberichten war meistens nur von einem Ausschluss auf Grund von Verstößen gegen das Financial Fair Play zu lesen. Was genau das aber bedeutet und wie es City über Jahre hinweg gelang die UEFA an der Nase herumzuführen, möchten wir Euch in den folgenden Zeilen erläutern.

Angefangen hat die ganze Geschichte im Grunde schon im September 2008. Mansour bin Zayed Al Nahyan aus Abu Dhabi, seines Zeichens Scheich, Minister für Präsidentschaftsangelegenheiten der Vereinigten Arabischen Emirate und nicht zuletzt Mitglied der Herrscherfamilie Abu Dhabis, kaufte sich für 100 Millionen Pfund in den Verein Manchester City ein. Bis dato ein eher mittelmäßiger Verein aus Ostmanchester, stets im Schatten Manchester Uniteds und letztmalig 1968 an der Spitze der damaligen Football League First Division. Doch genau das wollte Mansour ändern und pumpte von Beginn an Unmengen an Geld in den Verein, stellte einen Transferrekord nach dem anderen auf und musste nicht lange auf den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung seitens der Konkurrenz warten. Doch woher kam das ganze Geld?
Wer sich ein wenig mit Manchester City beschäftigt, wird schnell bemerken, dass sich der milliardenschwere Ölstaat Abu Dhabi quer durch den ganzen Verein zieht. Die Citizens spielen beispielsweise im Etihad Stadion und tragen die Air Line aus Abu Dhabi (übrigens geführt von Mansours Halbbruder) auch auf der Brust des Trikots. Zudem gehören das Telekommunikationsunternehmen Etisalat, die Tourismusbehörde des Wüstenstaats, sowie die Abu-Dhabi-Investmentgesellschaft Aaber zu den Sponsoren des Clubs. Nach 3 Jahren und 8 Monaten kamen auf diese Weise sage und schreibe 1,1 Milliarden Pfund, bzw. 1,3 Milliarden Euro an Investment zusammen. Kein Wunder also, dass vor allem die kleinen Clubs auf der Insel stutzig wurden und den Vorwurf erhoben, dass hinter all den Pseudosponsorings aus dem Emirat weitere versteckte Fördergelder Mansours stecken.
Ein Beleg dafür sind interne Mails aus dem Jahr 2010, als der Sponsorenvertrag mit Aaber ausgehandelt wurde. Dieses Sponsoring umfasst offiziell nämlich 15 Millionen Pfund. Aus einem E-Mail-Verlauf geht jedoch hervor, dass Aaber lediglich 3 Millionen zur Verfügung stellt und die restlichen 12 Millionen „aus alternativen Quellen von Eurer Hoheit“ bereitgestellt werden. Bezüglich des Financial Fair Play ist in diesem Zusammenhang wichtig zu wissen, dass die von Scheich Mansour bereitgestellten finanziellen Mittel als Ausgaben zu bezeichnen sind. Wird das Geld aber offiziell von einem Sponsor, in diesem Fall Aaber, bereitgestellt, wird das Geld als Einnahme deklariert – ergo verpackt City sein Geld aus Abu Dhabi fälschlicher Weise als Einnahme, kann so deutlich mehr für Transfers ausgeben und führt das FFP konsequent ad absurdum.
Kritisch hinterfragt wurden die finanziellen Machenschaften im Osten Manchesters erstmals im Jahr 2013. Obwohl Trainer Roberto Mancini 2012 erstmals seit 44 Jahren City zum Meister der Premier League machte, wurde er im Jahr darauf entlassen. Mancini erfüllte nicht mehr die Anforderungen des Scheichs, sprich der erneute Gewinn der Meisterschaft, und musste daraufhin den Verein verlassen. Schließlich passte diese ‚Niederlage‘ nicht in das neue, vor Perfektion und Erfolg strotzende Hochglanzprodukt, Manchester City. Wer diesen Anforderungen nicht gerecht wird, muss weichen und für die nächste, teurere und damit erfolgversprechendere Personalie Platz machen. Doch genau diese Maschinerie fiel dem Club 2013 auf die Füße. In diesem Jahr sollten nämlich die Regeln des Financial Fair Play in Kraft treten, nach denen sich Vereine nicht überschulden sollen, also mehr Geld einnehmen, als sie ausgeben. Jedoch ergab sich durch die Entlassung Mancinis ein Defizit von 9,9 Millionen Pfund, wodurch die neuen Regeln des FFP nicht eingehalten würden. Die Lösung für das Problem: der Finanzchef auf der Insel klärt mit dem Scheich einfach ab, dass bestehende Verträge rückdatiert und obendrein höher dotiert werden. Und so kam es, dass Etihad 1,5 Millionen Pfund, Aaber 0,5 Millionen Pfund und die Tourismusbehörde ganze 5,5 Millionen Pfund mehr zahlte – wohlgemerkt für einen Zeitraum, der bereits in der Vergangenheit lag. So schnell sind Verträge manipuliert und damit die UEFA ausgetrickst.
Aber damit ist noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, denn der Club hat es nicht nur verstanden für das FFP seine Kosten zu senken, sondern daraus auch noch Kapital zu schlagen. Und jetzt wird es ein wenig kompliziert:
Um Kosten auszulagern gründete Man City Schwesterunternehmen, sodass z.B. Vermarktungsrechte der Spieler in ein externes Unternehmen verschoben wurden. Da normalerweise der Verein selbst für die Werberechte der Spieler zahlt, senkt er so die eigenen Kosten und macht durch den Rechteverkauf sogar 30 Millionen Gewinn. Die Firma Fordham, welche die Rechte erworben hat, ist über einige Ecken, wie z.B. die British Virgin Islands mit einem Trust der Familie Rowland verzweigt. Jene Familie gilt als Vertraute des Kronprinzen Abu Dhabis und ist dazu noch der Inhaber von Banken in Liechtenstein, den Bahamas und der Schweiz (allesamt Länder, die für ihr striktes Bankgeheimnis bzw. als Steuerparadies bekannt sind). Eine Holdingfirma des Scheichs überweist an die Rowlands, welche die Werberechte von dem Geld kaufen, wobei das Ganze von ManCity selbst koordiniert wird. Auf diese Weise bekommt der Club auf Knopfdruck Geld aus Abu Dhabi, nachdem dieses über Umwege einmal um die Welt reist.
Ihr blickt nicht mehr durch? Tja, die Finanzcontrolleure der UEFA taten es auch nicht. Um hinter solch verschachtelte Finanzkonstrukte zu kommen, bräuchte es schon Hausdurchsuchungen und Razzien, allerdings sind das Mittel, die der UEFA als Fußballverband nicht zur Verfügung stehen. Kein Wunder also, dass es erst durch die von Rui Pinto geleakten Mails, Chats und Dokumente gelang, diesen Machenschaften auf die Schliche zu kommen.
Zu guter Letzt möchten wir noch einen Sponsorenvertrag aufgreifen, nämlich den zwischen Manchester City und der Baufirma Arabtec. Jene Firma überweist jährlich 7 Millionen Pfund an City. Geld, für das Arabtec auch mal über Leichen geht, denn die Firma ist u.a. für den Bau der bekannten Wolkenkratzer in neureichen Wüstenstaaten und vor allem für die miserablen Bedingungen auf den Baustellen mitverantwortlich. Furchtbare hygienische Zustände, unpünktliche oder gar ausbleibende Bezahlung der um ihre Existenz kämpfenden Arbeiter, nicht eingehaltene Pausenzeiten und in Folge all dieser Missstände auch Tote auf den Baustellen der Arabtec gehören zur Tagesordnung. Dem Club scheint das alles egal zu sein, Hauptsache die Kohle stimmt und ist pünktlich auf dem Konto.
Und damit sind wir auch am Kern angekommen, weshalb Scheich Mansour in Manchester City investiert: es geht ums Image. Abu Dhabi ist ein Polizeistaat, in dem Gefangene gefoltert werden, auf Ehebruch die Todesstrafe steht und Menschenrechte nicht zu gelten scheinen. Alles Punkte, die schlecht fürs Image der Herrscherfamilie sind und sich schlecht verkaufen lassen. Die Lösung dieses Problems hat man in einem Investment in Manchester City ausgemacht. Der Wüstenstaat soll dadurch beworben werden und Beziehungen in den Westen aufgebaut, bzw. verbessert werden. Wer wäre dafür besser geeignet als Scheich Mansour, der Chef einer staatlichen Investmentfirma ist und darüber hinaus die internationale Strategie des Emirats steuert?
Entgegen der Behauptungen, dass all das nur ein Hobby und privates Vergnügen für seine Majestät sei, werden Sponsorenverträge aus Abu Dhabi nach Bedarf erhöht und rückdatiert, systematische Regelverstöße begangen und versteckte Zahlungen getätigt, nur um sich als Herrscherfamilie international auf dem Rücken des Fußballs zu profilieren. Scheich Mansour und Sponsoren aus Abu Dhabi pumpten über 2 Milliarden Pfund innerhalb von 10 Jahren in den Verein. Ein fairer sportlicher Wettkampf ist unter solchen Bedingungen blanker Hohn und reine Utopie. Darüber hinaus trägt der Verein maßgeblich dazu bei, dass Transfersummen ins Unermessliche steigen und gefühlt in jeder Transferperiode neue Schallmauern durchbrochen werden. Natürlich ist Man City nicht alleine für diese Entwicklung verantwortlich, jedoch ist mit der jüngst ausgesprochenen Strafe gegen den Verein endlich ein Anfang seitens der UEFA gemacht worden, diesem Irrsinn Herr zu werden. Man darf gespannt sein, wen es als nächstes trifft. Anlass genug bieten jedenfalls nicht wenige europäische Vereine…

Kollektivstrafen zum “Schutze” eines Milliardärs – der DFB zeigt erneut sein wahres Gesicht


In den vergangenen Wochen wurde die Fußballöffentlichkeit erneut Zeuge der Doppelmoral und Demokratiefeindlichkeit der Vertreter des sogenannten „modernen Fußballs“. Ihren Höhepunkt erreichte die Absurdität vorerst am vergangenen Wochenende.

Sich gegenseitig übertreffend fabulierten Dietmar Hopp, Karl-Heinz Rummenigge und der DFB selbst, neben abgehalfterten D-Prominenten des Fußballs über „Würde“, „Moral“ und „Respekt“. Dieselben Personen, die im Falle Hopp daran arbeiten, dass der Fußball der Zukunft von hochgezüchteten Retortenvereinen mit unkritischem Klatschpublikum beherrscht wird und der ungebetenen Meinungen gerne mit einem Hochfrequenzgerät begegnet, welches Körperverletzungen nach sich zieht. Oder die, im Fall Rummenigge, Trainingslager in Katar abhalten, einem Land, welches Menschenrechte und somit die oben erwähnten Werte mit Füßen tritt. Ein Land, welches auch aufgrund der DFB-Funktionäre die Weltmeisterschaft 2022 austragen wird. In Anbetracht der nicht aufgeklärten gekauften WM 2006 ist auch hier davon auszugehen, dass sich die Herren das einige teure Uhren haben kosten lassen.

Diese moralisch alles andere als integren Personen und Strukturen wollen uns Fans nun erzählen, was Anstand ist und stören sich an der zugespitzten Wortwahl, mit der wir unsere Kritik äußern. Nur, wenn es keine Möglichkeit gibt, grundlegende Veränderungen im deutschen Fußball zu erreichen, müssen wir eben zu drastischeren Maßnahmen greifen. Dass es keine andere zielführende Möglichkeit gibt, haben die von uns geführten Gespräche mit den Verbänden gezeigt, die letztlich nicht mehr waren als ein großer Scheindialog.

Die tatsächliche Schande der vergangenen Wochen liegt im Verhalten der Verbände, allen voran des DFB. Zuerst wurden die öffentlichkeitswirksam ausgesetzten Kollektivstrafen wieder eingeführt. Wohlgemerkt, in einer von einem Fußballverband geschaffenen Paralleljustiz. Diese verfassungswidrige Art der Bestrafung ist mit unserem Verständnis von Demokratie nicht in Einklang zu bringen. Indem der DFB diese nun wieder ausspricht, offenbart er nicht nur erneut sein verzerrtes Bild von Rechtsstaatlichkeit, sondern beweist auch eindrücklich, dass er nur solange an Veränderungen und Dialog interessiert ist, solange sein Geschäft nicht ernsthaft gestört wird. Nicht einmal die wenigen Fanorganisationen, die noch mit dem DFB im Dialog stehen, wurden über die „neue Linie“ des Verbandes informiert, geschweige denn, deren Meinung eingeholt. Der DFB zeigt wiederholt, dass er kein ernsthaftes Interesse an einem Dialog mit Fans verfolgt. Unter Fritz Keller scheint sich auch hier leider nichts zum Positiven verändert zu haben.

Darüber hinaus sollen von nun an zum Wohle eines Milliardärs sämtliche „Diskriminierungen“ und „Beleidigungen“ sanktioniert werden, bei Wiederholungen droht ein Spielabbruch. Eine Selbstoffenbarung seiner eigenen Unabhängigkeit lieferte der DFB bereits, in dem er im Vorfeld des Spieltags eine Einflussnahme von Vereinsfunktionären und Absprachen zuließ. Der erste Spieltag mit dieser Regelung hat gezeigt, worum es den Verantwortlichen und dem DFB wirklich geht, um schlichte Zensur. Anders ist die Unterbrechung in Meppen nicht zu erklären. Auch, wenn die Verbände jetzt wieder ein Stück weit zurückrudern, zeigt sich klar, in welche Richtung es gehen soll und wird.

Wir sind nicht gutgläubig und waren es auch nie. Und so lassen wir uns auch diesmal nicht blenden. Es geht hier weder um antirassistisches Engagement, noch um Diskriminierung und schon gar nicht um Anstand und Werte. In diesem Falle hätte sich der DFB in der Vergangenheit entschiedener, auch im eigenen Dunstkreis, positionieren müssen. Dieses geschah, wie zu erwarten nicht. Es geht schlichtweg um die Bekämpfung unserer Fankultur und unserer Werte. Die Profiteure des Geschäfts „Fußball“ versuchen mit diesem scheinbar verfänglichen Thema die Fankurven zu spalten, um letztlich die aktiven Fanszenen zu entfernen. Denn diese sind es, die stets den Finger in die Wunde legen und sich für demokratische Vereine, effektive Mitbestimmung im Fußball, für den Erhalt der 50+1 Regel, für bezahlbare Eintrittskarten und fangerechte Anstoßzeiten einsetzen und somit letztlich für das, was uns Fans die Identifikation mit diesem Sport noch halbwegs gelingen lässt.

Aber dieses Engagement ist dem DFB und seinen Verbündeten ein Dorn im Auge, welchen es zu bekämpfen gilt. Diesen Kampf nehmen wir auch weiterhin gerne an, denn wir haben keine andere Wahl, als ihn zu führen, wenn wir unseren Fußball zumindest teilweise noch erhalten wollen. Dieser Kampf kann plakativ, zugespitzt und provokant geführt werden oder tiefgründig und differenziert – wichtig ist, dass wir ihn führen!

Denn wir Fans sind die Basis und die Seele des Fußballs und wir lassen uns weder von Kollektivstrafen, noch von Spielunterbrechungen davon abhalten, für unsere Sache einzustehen.

Wir fordern und erwarten daher:

Kollektivstrafen abschaffen! Es wird Zeit, dass der DFB sein mittelalterliches Rechtsverständnis für alle Zeit hinter sich lässt und Kollektivstrafen nicht nur aussetzt, sondern seine Rechts- und Verfahrensordnung diesbezüglich ändert und damit das Instrument der kollektiven Bestrafung abschafft. Im gleichen Zuge erwarten wir die sofortige Aufhebung der gegen Borussia Dortmund ausgesprochenen Zuschauerausschlüsse.

Die wirklich hässlichen Gesichter des Fußballs bekämpfen! Der Fußball ist kaputt. Wirtschaftliche Interessen werden hofiert, das System sorgt dafür, dass reiche Clubs immer reicher werden, in den Verbänden steht Korruption an der Tagesordnung und um Menschenrechtsverletzungen schert man sich einen Dreck. Nicht erst seit den „Football Leaks“- Enthüllungen ist bekannt, dass Verbände und Vereine sich an diesen Zuständen nicht stören – im Gegenteil, sie fördern sie sogar. Hier muss endlich gegengesteuert werden, sollte den Herren wirklich etwas am Fußball liegen!

Wer nur am maximalen Profit orientiert ist, Werte deshalb nur zu seinem (Wettbewerbs-)Vorteil benennt und sich mit jahrelanger Kritik von Fans nicht ehrlich auseinandersetzt, macht sich lächerlich, wenn er sich als Hüter der Moral inszeniert. Wir Fans werden die Praxis vom letzten Spieltag nicht einfach so hinnehmen und im Zweifel weiter Unterbrechungen und auch Abbrüche in Kauf nehmen.

Fick dich DFB!

Fanszenen Deutschlands im März 2020

Paranoid 15 gegen Großaspach erhältlich!


Während sich unsere Mannschaft im Trainingslager auf die Rückrunde vorbereitete, waren auch wir nicht untätig und werfen zum Jahresauftakt wieder pünktlich wie die Maurer die 15. Ausgabe unseres Paranoid-Fanzines auf den Markt! Inhaltlich findet ihr wieder zu sämtlichen Ligaspielen des FCK einen Bericht. Darüber hinaus werden die Spiele im Verbandspokal in einem gesonderten Text behandelt und auch unsere Besuche bei der Schwaben Kompanie Stuttgart wurden wieder schriftlich festgehalten. Ansonsten berichten wir wie gewohnt aus unserer Sicht über die vergangene Jahreshauptversammlung und lassen mit der ‚Mein erstes Mal mit dem PI‘-Rubrik mal wieder ein Mitglied unserer Gruppe von seinem ersten Kontakt zum Pfalz Inferno berichten. Abgerundet wird das ganze von unseren Tops und Flops, sowie einem ausführlichen Text über den wahren Fußball in Russland. Nachdem wir in der letzten Ausgabe über die Erlebnisse bei der WM in Russland berichteten, bieten wir so einen lesenswerten Kontrast abseits des großen kommerziell ausgeschlachteten Trubels 2018.

Auf ein erfolgreiches Jahr 2020, wir sehen uns am Infostand!